Eingangstor von Schloss Gleina mit steinernen Pfeilern, schmiedeeisernem Tor und Blick auf das historische Gebäude im Grünen.

FAVORI No. 1: Genesis

April 30, 20265 min read

Bekannte Positionen. Neuer Kontext. Und ein Barockschloss, das antwortet.

Es gibt Ausstellungstitel, die mehr versprechen, als ein Pressetext einlösen kann. Genesis ist so ein Titel.

Das Wort trägt Gewicht: das erste Buch, der erste Satz, der erste Augenblick vor dem Licht. Es ist auch der Moment der Benennung, der rückwirkend wirkt – man nennt etwas erst dann Genesis, wenn man weiß, dass etwas daraus wird. Wer eine Ausstellung so betitelt, macht keine Aussage über die Vergangenheit. Er macht eine über die Zukunft.

Dass Favori Art seine erste große Gruppenausstellung mit FAVORI No. 1: Genesis überschreibt – nicht Eröffnung, nicht Premiere, sondern eine Nummerierung mit Gewicht –, ist kein Zufall. Es ist ein Bekenntnis.

Nicht Entdeckung. Positionierung.

Es wäre das Naheliegendste gewesen: eine Debütausstellung mit unbekannten Namen, mit frischen Gesichtern, mit dem Gestus der Nachwuchsförderung. Genesis hätte das hergegeben. Favori Art hat sich bewusst dagegen entschieden.

Die acht Positionen, die im Mai 2026 im Schloss Gleina zusammenkommen, sind keine Newcomer. Es sind Künstlerinnen und Künstler mit eigenem Profil, eigener Ausstellungsgeschichte, eigenen Sammlern. Namen, die im deutschsprachigen Kunstbetrieb und darüber hinaus sichtbar sind. Das ist keine kuratorische Schwäche – es ist die eigentliche Aussage.

Denn Genesis fragt hier nicht: Wer bist du? Die Antwort darauf haben die Beteiligten längst gegeben. Die Frage, die diese Ausstellung stellt, ist eine andere: Was entsteht, wenn bekannte Positionen erstmals in einen gemeinsamen Kontext treten?

Was passiert, wenn acht etablierte künstlerische Sprachen miteinander in Dialog gebracht werden – unter einem Titel, in einem Raum, mit einer gemeinsamen Frage im Rücken?

Das ist der kuratorische Kern von FAVORI No. 1.

Favori Art versteht sich dabei nicht nur als Plattform für Präsentation, sondern als Kontextgeber: als Instanz, die künstlerische Positionen nicht bloß zeigt, sondern in Beziehung setzt.

Historischer Innenraum von Schloss Gleina mit Holzboden, antiken Möbeln, geöffneten Flügeltüren und warmem Licht im Barockstil.

Der Ort als eigentliche Aussage

Schloss Gleina, Burgenlandkreis, Sachsen-Anhalt —
9. Mai bis 31. Mai 2026

Das Barockschloss, zwischen 1689 und 1739 erbaut, mit mächtigem Mansarddach und Rokoko-Stuckdecken im Obergeschoss, liegt zwischen Freyburg an der Unstrut und Querfurt – eingebettet in eine Landschaft, die man in ihrer stillen Ernsthaftigkeit kaum ignoriert.

Seit 2013 versteht der Schweizer Kulturschaffende Felix Schenker das Schloss in Anlehnung an Joseph Beuys als soziale Skulptur – offen für Projekte, die sich mit Raum, Gesellschaft und Kunst auseinandersetzen. Im zweijährigen Rhythmus findet hier eine internationale Kunstbiennale statt.

Es ist also kein neutraler White Cube. Es ist das Gegenteil davon.

Und genau das ist entscheidend. Eine Genesis-Ausstellung in einer nüchternen Galeriezeile wäre ein anderes Statement. In einem Schloss, das selbst eine Geschichte des Neubeginns kennt – ein kulturelles Gefüge aus Verlust, Wandel und Wiederaneignung –, bekommt der Begriff eine andere Dichte.

Der Blaue Salon, der Ballsaal, die Bibliothek mit Holzbalkendecke und vertäfelten Wänden: Diese Räume sind keine Kulisse. Sie sind Mitspieler.

Der Anfang findet hier nicht im leeren Raum statt – sondern in einem, der bereits voll ist von Zeit.

Collage mit acht Kunstwerken der Ausstellung FAVORI No. 1: Genesis im Schloss Gleina, darunter Malerei, Zeichnung, Wildlife Art und Pop-Art.

Acht Positionen – und keine davon ist zufällig

Olli Böhm arbeitet mit dem, was zwischen Wahrnehmung und Sprache liegt. Seine Bilder begegnen einem nicht wie ein Statement, sondern wie eine Stimmung. Nicht laut, nicht erklärend – und doch so, dass sie bleiben. Der Ursprung liegt bei ihm nicht im Motiv, sondern im Moment des Verweilens.

Erich Graf setzt die Welt in ruhige Gegenüberstellungen: Tier und Raum als Gleichgewicht. Seine Bildsprache ist reduziert, aber präzise. Genesis geschieht bei ihm im Moment der Aufmerksamkeit – bevor das Motiv entschieden ist.

Christine Graf findet ihren Ursprung in der Energie. Ihre Bilder bejahen sich selbst, bevor sie sich erklären. Keine Zögerlichkeit, kein Kaschieren. Genesis ist bei ihr die Entscheidung, vollständig da zu sein.

Sadik Uslu arbeitet im Inneren der Farbe. Seine gestische Abstraktion ist nicht Ausdruck von Erregung, sondern von Verdichtung. Zwischen Realismus und Abstraktion entstehen Landschaften, die Erinnerung tragen. Genesis ist bei ihm ein körperlicher, fast archäologischer Akt.

Woytek, international vor allem als Bildhauer bekannt, zeigt hier bewusst Zeichnungen – den Ursprung seiner plastischen Arbeiten. Seine Linien sind keine Vorstufe, sondern ein eigenständiger Moment. Fasziniert von historischen Formensprachen, insbesondere Barock und Manierismus, denkt er Form als Prozess. Genesis ist bei ihm der Augenblick vor der Verwandlung.

Rike Wölke beginnt im Körper. Ihre großformatigen Arbeiten entstehen aus Bewegung, nicht aus Konzept. Farbe, Geste und Impuls greifen ineinander. Genesis ist bei ihr buchstäblich: Bewegung vor dem Bild.

Matthias Hübner arbeitet mit Bildern, die mehr als eine Ebene tragen. Schwarz-Weiß trifft auf Neon, Sichtbares auf Veränderung. Seine Arbeiten verschieben sich im Licht. Genesis ist bei ihm kein Anfang, sondern ein Wiederauftauchen.

Ali Görmez, ein international arbeitender Pop-Art-Künstler aus Berlin, bringt eine unmittelbare Energie in die Ausstellung. Seine Arbeiten entstehen aus Klarheit, nicht aus Suche. Farbe, Figur und Aussage sind früh entschieden. In einer Ausstellung, die nach Ursprüngen fragt, steht Görmez für eine Position ohne Zögern.

Acht Positionen. Acht Versuche, denselben Anfang zu fassen.

Das erste Mal, das nicht naiv ist

FAVORI No. 1: Genesis unterscheidet sich von vielen Eröffnungsausstellungen durch das Bewusstsein für das eigene Wagnis.

Die Nummerierung ist kein Detail. Sie ist ein Versprechen.

Es wird ein No. 2 geben. Ein No. 3. Eine Entwicklung, die erst im Rückblick sichtbar wird.

Eine Nummer zu setzen heißt: Wir wissen nicht, wohin es führt. Aber wir gehen.

Resonanz braucht Reibung

Zeitgenössische Kunst in historischen Räumen lebt vom Widerspruch.
Nicht als Provokation, sondern als Dialog.

Ein barocker Raum trifft auf eine gegenwärtige Bildsprache.
Stille trifft auf Energie.
Linie auf Material.

Die Räume reagieren. Die Arbeiten antworten.

Keine Position dominiert. Keine löst die andere auf.

Die Ausstellung entsteht im Zwischenraum.

Genesis

Genesis fragt, wo etwas beginnt.

Schloss Gleina zeigt:
Es beginnt nie bei null.

Einladung

Ein Teil der gezeigten Arbeiten ist während der Ausstellung verfügbar.
Sammleranfragen und weiterführende Informationen erfolgen individuell.

Komm. Sei dabei. Von Anfang an.

Am 9. Mai 2026 um 11:00 Uhr beginnt die Vernissage von
FAVORI No. 1: Genesis im Schloss Gleina.

Alle sind willkommen – Sammlerinnen und Sammler, Kunstinteressierte, Neugierige.

Kein Vorwissen nötig. Kein Dresscode.
Nur die Bereitschaft, acht starke Positionen an einem Ort zu erleben, der selbst Geschichte trägt.

Wir freuen uns auf euch.

Mit freundlicher Unterstützung von Felix Schenker, der Schloss Gleina für dieses Projekt zur Verfügung stellt.

Kuratiert von Franziska Sevik / Favori Art

FAVORI No. 1: Genesis
Schloss Gleina, Sachsen-Anhalt

Vernissage: 9. Mai 2026 — 11:00 bis 18:00 Uhr
Ausstellungsdauer: 9. bis 31. Mai 2026

Eintritt frei · Alle herzlich willkommen

https://ausstellung-schloss-gleina.favori-art.com/mai-2026

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