
Maßstabsgetreu, gehängt auf 150 cm Mittelachse · Person 175 cm · Sofa 210 cm
- Jahr
- 2024
- Technik
- Übermalte Fotografie
- Format
- 80 x 90 cm
- Kategorie
- Fotografie & Mixed Media
- Werk-Nr.
- FA-122
Washed-out beauty from memory
1.720,00 € inkl. MwSt.
Boehm greift die Bildsprache von Werbung und Mode auf – nicht als Hommage, sondern als kritische Spiegelung.
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- Persönliche Beratung durch die Kuration
Visuelle Beschreibung
„Washed-out beauty from memory“ zeigt ein großformatiges, frontal gesetztes Porträt einer jungen Frau – zentral, ikonisch, wie ein Beauty-Visual aus Modekampagnen. Doch die vermeintliche Perfektion wird sofort unterlaufen: Vertikale Strukturen schneiden durch das Gesicht wie Scanlines, Druckfehler oder Plakatabriss-Spuren. Überlagerungen aus Rot und Grün stören die Augenpartie – wie Farbmasken aus Retusche, Colorgrading oder Proof-Tests, die sichtbar geblieben sind.
Die Oberfläche trägt Tropf- und Kratzspuren, als hätte das Bild ein zweites Leben hinter sich: bearbeitet, beschädigt, korrigiert, verworfen. Der untere Bereich löst sich in körnige, erdige Texturen auf – als würde die Hochglanz-Ästhetik in Material, Staub und Erinnerung zerfallen. Das Porträt bleibt zugleich nah und entzogen: sichtbar und gebrochen, präsent und „washed-out“.
Künstlerische Interpretation
Boehm greift die Bildsprache von Werbung und Mode auf – nicht als Hommage, sondern als kritische Spiegelung. „Beauty“ erscheint hier als eine Ware, als Oberfläche, als Versprechen. Der Titel „Washed-out beauty from memory“ ist dabei bewusst ambivalent: Schönheit als Erinnerung, als Restbild, als Projektion – oder als etwas, das sich beim genaueren Hinsehen auflöst.
Die Arbeit verhandelt Schönheit nicht als Ideal, sondern als Bildmechanik: Wie entstehen Begehren, Erwartungen, Zuschreibungen? Die vertikalen Störungen wirken wie Barrieren zwischen Betrachter und Subjekt – als würden wir nicht die Person sehen, sondern das System, das sie lesbar macht: Retusche, Kontrolle, Optimierung, Bewertung.
Gerade die Augen – teilweise verdeckt, teilweise
hervorgehoben – sind das emotionale Zentrum. Der Blick wirkt nach innen gerichtet, nicht „verkaufend“, nicht einladend. Damit kippt die Logik des Konsumbildes: Das Porträt verweigert den klassischen Austausch „Ich sehe dich – du begehrst mich“. Stattdessen fragt es: Warum erwartest du Schönheit? Und wer bestimmt, wie sie aussieht?
Kunsthistorischer Bezug
Formal bewegt sich das Werk zwischen zeitgenössischer Fotokunst, digitaler Bilddekonstruktion und expressiver Oberflächenarbeit. Boehms Methode knüpft an Traditionen an, in denen das Porträt nicht als Abbild, sondern als psychologischer und gesellschaftlicher Raum verstanden wird. Die Oberfläche wird zum Bedeutungsträger: Störung ist keine Nebenwirkung, sondern Inhalt.
In der Logik von Pop und Post-Pop wird das Vokabular der Konsumwelt nicht abgelehnt, sondern offengelegt: Die Bildsprache der Werbung erscheint als Material, das sich gegen sich selbst wendet.
Exklusivität
Typisch für Olli Boehm ist die kontrollierte Transformation fotografischer Ausgangsbilder in eine dichte Bildrealität, die zwischen Hochglanz und Abrieb pendelt. Die Arbeit ist präzise komponiert: ikonische Zentralität, starke Blickführung, gezielte Farbakzente – und gleichzeitig eine Oberfläche, die das Motiv destabilisiert. Diese Balance macht das Werk unverwechselbar und sammlungsrelevant.
Sammlerwert
„Washed-out beauty from memory“ ist besonders interessant für Sammler und Institutionen, die sich für Medienkritik, Konsumästhetik und zeitgenössische Porträtstrategien interessieren. Im Raum wirkt das Werk intensiv und unmittelbar: Das große Gesicht zieht an – doch die Störungen erzeugen Distanz. Es bleibt ein Bild, das nicht nur betrachtet wird, sondern zur Selbstprüfung zwingt: Was genau suchen wir in einem „schönen“ Bild?
Mehr über die Künstlerin / den Künstler
Olli Boehm verbindet digitale Fotografie mit Mixed-Media-Interventionen zu vielschichtigen Bildräumen, in denen Realität, Erinnerung und Atmosphäre ineinander greifen. Seine Arbeiten verdichten urbane und menschliche Situationen zu visuellen Metaphern – zwischen Unschärfe, Textur und präziser Komposition.
Zustandsbericht
Erhaltungszustand; sichtbare Mängel sind nicht feststellbar. Ein ausführlicher Zustandsbericht wird auf Wunsch bereitgestellt.
Olli Boehm
Weitere Werke



